Heimatgeschichte sichtbar machen – Rückblick auf den 10. Fachtag für Ortschronisten und Heimatforscher
Unter dem Motto „Heimatgeschichte sichtbar machen – Präsentieren, Publizieren, Vermitteln“ fand am 21. März 2026 der 10. Fachtag für Ortschronisten und Heimatforscher in der Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis statt. Rund 80 Engagierte aus ganz Sachsen folgten der Einladung des Sächsischen Landeskuratoriums Ländlicher Raum e. V., um sich über neue Wege der Geschichtsvermittlung auszutauschen und praxisnahe Impulse für ihre eigene Arbeit mitzunehmen.
Nach der Begrüßung durch Dr. Dirk Martin Mütze eröffnete der Verleger Dr. Klaus-Jürgen Kamprad den Fachtag mit einem Impuls, der den Kern der Veranstaltung auf den Punkt brachte: Heimatgeschichte entsteht nicht allein durch das Sammeln von Fakten, sondern durch die Art und Weise, wie sie erzählt wird. Entscheidend ist die Frage nach dem Zugang – also danach, für wen Geschichte aufbereitet wird, welche Form sie annimmt und welche zentrale Botschaft transportiert werden soll. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie sich aus historischen Quellen unterschiedliche Erzählstränge entwickeln lassen und wie aus Forschung eine Geschichte wird, die Menschen erreicht.
Im weiteren Verlauf des Tages standen vier Werkstätten im Mittelpunkt, die unterschiedliche Zugänge zur Vermittlung von Heimat- und Ortsgeschichte eröffneten. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten sind: Von der klassischen Publikation über Ausstellungsformate bis hin zu digitalen Formaten.
In einer Werkstatt widmete sich Dr. Michael Wetzel der Frage, wie aus umfangreichen historischen Befunden gut strukturierte und lesbare Texte entstehen. Er stellte verschiedene Herangehensweisen vor – von Chroniken über thematische Darstellungen bis hin zu biografischen Zugängen – und machte deutlich, wie wichtig ein klarer roter Faden sowie ein passender Einstieg für die Verständlichkeit und Attraktivität sind.
Einen anderen Zugang eröffnete die Werkstatt von Jana Kämpfe, die sich mit der Konzeption kleiner Ausstellungen beschäftigte. Hier ging es darum, wie sich lokale Geschichte auch mit begrenzten Mitteln anschaulich und erzählerisch aufbereiten lässt. Im Fokus standen Fragen der Dramaturgie, der Auswahl von Exponaten und der Besucheransprache.
Digitale Vermittlungsformate standen im Zentrum der Werkstatt von Jens Trocha. Am Beispiel von Podcasts wurde aufgezeigt, wie sich Heimatgeschichte hörbar machen lässt und welche technischen sowie konzeptionellen Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Einen sehr praxisnahen Einblick bot schließlich der Gesprächskreis von Reinhard Mütze. Anhand eines über mehrere Jahre verfolgten „historischen Cold Case“ rund um ein verwittertes Grabmal wurde deutlich, wie aufwendig, aber auch lohnend historische Spurensuche sein kann. Der Beitrag zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Geduld, Vernetzung und systematische Recherche für die Aufarbeitung lokaler Geschichte sind.
Ein bewährter Programmpunkt war der Stadtrundgang durch Kohren-Sahlis, bei dem Peter Ruf vom Geschichtsverein Kohren-Sahlis e. V. das Projekt „Zeitreise in Kohren-Sahlis“ vorstellte und den Teilnehmenden die Ortsgeschichte unmittelbar vor Ort näherbrachte.
Der Fachtag machte deutlich, wie groß das Interesse an neuen Vermittlungsformen in der Heimatforschung ist. Neben fachlichen Impulsen bot die Veranstaltung vor allem Raum für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Inspiration. Viele Teilnehmende nahmen konkrete Ideen mit, um ihre Arbeit vor Ort weiterzuentwickeln und Heimatgeschichte noch sichtbarer zu machen.
Der nächste Fachtag für Ortschronisten und Heimatforscher ist bereits geplant und soll am 27. Februar 2027 in Kohren-Sahlis stattfinden.
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