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Was die Bauern bewegt- von Herausforderungen und engagierten Handeln

In die Vorbereitung und Durchführung des 20. Sächsischen Landeserntedankfestes vom 29. September bis 01. Oktober 2017 in Burgstädt im Landkreis Mittelsachsen bringt sich der Regionalbauernverband Mittweida engagiert mit ein. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Peter Köhler. 

Herr Köhler, die von Emnid durchgeführte Image-Studie bescheinigt den Landwirten ein ungebrochen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Dem steht aber die Skepsis der modernen Landwirtschaft gegenüber. Wie kann dieser Skepsis entgegengewirkt werden?

Das Ergebnis der Emnid-Umfrage ist für uns Landwirte natürlich sehr erfreulich. Die Bevölkerung ist sich der Bedeutung der Landwirtschaft für Gesellschaft und Wirtschaft des Landes durchaus bewusst. Dennoch gerät die moderne Landwirtschaft immer häufiger in den Fokus der Öffentlichkeit. Zunehmend müssen sich Landwirte mit Vorwürfen und Unterstellungen auseinandersetzen. Dies zeigen beispielsweise die Diskussionen um Glyphosat oder um Nitrat in Trinkwasser. Mit sachlichen Argumenten ist es schwierig, in den oftmals emotional aufgeheizten Debatten zu vermitteln.

Um Verbrauchern einen realistischen Einblick in die moderne Landwirtschaft geben zu können, müssen wir auch weiterhin den Dialog mit ihnen suchen. Eine gute Möglichkeit um ins Gespräch zu kommen, bietet der Tag des Offenen Hofes. Verbraucheraufklärung direkt vor Ort in den Betrieben ist zwar mühsam, dafür aber glaubwürdig und nachhaltig. Wer sich selbst einmal auf einem Landwirtschaftsbetrieb über die tägliche Arbeit der Landwirte informiert hat, weiß den hohen Wert der geleisteten Arbeit zu schätzen. In den nächsten Wochen öffnen zahlreiche Betriebe in Sachsen ihre Tore. (teilnehmende Betriebe unter http://www.slb-dresden.de/index.php?menu=2&untermenu=6)

Im Jahre 2016 war die Milchkrise ein vorherrschendes Thema. Die Landwirte waren gezwungen ihre Milch unter dem Erzeugerpreis zu verkaufen. Wie haben sich die Milchpreise seitdem entwickelt und ist die Milchkrise beendet?

Für 2017 zeichnet sich zwar nach einem langen Preistief eine gewisse Erholung der Marktlage ab, trotzdem ist es aber noch zu früh für eine Entwarnung. Die meisten Milchbauern können mit dem aktuellen Milchpreis gerade so ihre laufenden Kosten decken. An den Abbau der Verluste der vergangenen Monate oder die Bildung von Rücklagen für zukünftige Investitionen ist derzeit nicht zu denken.

Zunehmend höhere Anforderungen und Standards des Lebensmitteleinzelhandels stellen die Landwirte zusätzlich vor große Herausforderungen. Die steigenden Anforderungen bedeuten für die Milchbauern höhere Produktionskosten, ohne dass sich dies in besseren Erzeugerpreisen ausreichend widerspiegelt.

Aber nicht nur die Milchbauern waren von der Krise betroffen. Alle tierhaltenden Betriebe hatten in den vergangenen 24 Monaten unter niedrigen Erzeugerpreisen zu leiden. Auch im Ackerbau konnten trotz guter Ernte aufgrund der seit Monaten fallenden Getreidepreise kaum Gewinne erwirtschaftet werden. Diese Gewinne wären aber dringend notwendig gewesen, um die enormen Verluste in der Tierhaltung auszugleichen. 

Herr Köhler, wie zufrieden sind die Landwirte mit der Entwicklung der Kulturpflanzen insbesondere mit dem Getreide. Gab es große Einflüsse durch die Witterung? 

Die Aussaat von Raps und Wintergerste erfolgte im vergangenen Herbst unter guten Bedingungen. Die Kulturen haben sich auch über den Winter gut entwickelt und lassen durchschnittliche Erträge erwarten. Anders sieht es beim Winterweizen aus. Aufgrund der häufigen Regentage im Oktober waren die Felder kaum befahrbar, sodass sich die Aussaat bis in den November hinzog. Auf einigen Flächen konnte der Weizen nicht mehr rechtzeitig ausgebracht werden, weswegen sie im Frühjahr, entgegen der ursprünglichen Anbauplanung, mit Sommergerste oder Mais bestellt werden mussten. Die spät gesäten Weizenbestände sind nicht sehr gut entwickelt und werden sicherlich nur einen unterdurchschnittlichen Ertrag bringen.

Positiv hat sich der Regen vom Pfingstwochenende insbesondere bei der Wintergerste ausgewirkt, die sich gerade in der Kornfüllungsphase befindet. Aber auch die anderen Kulturen haben natürlich vom Regen profitiert. Glücklicherweise ist unsere Region bisher von heftigen Unwettern verschont geblieben. 

Die Fachkräftegewinnung ist eine große Herausforderung. Mit den zweiten Europäischen AgrOlympics bietet sich da eine große Chance in Burgstädt.

Wie in vielen anderen Branchen, wird es auch für die Landwirtschaft in den nächsten Jahren eine große Herausforderung sein, ausreichend geeigneten Berufsnachwuchs zu gewinnen.

Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge und der derzeit brummenden Wirtschaft, sind die Bewerberzahlen für eine Ausbildung in den Grünen Berufen leicht rückläufig. Jährlich werden in Sachsen rund 400 Berufsanfänger gesucht. Der Bedarf kann derzeit allerdings nur zu gut zwei Dritteln gedeckt werden. Gut ausgebildeter Berufsnachwuchs ist für die Zukunftssicherung der Landwirtschaft entscheidend. Hier müssen wir verstärkte Anstrengungen unternehmen, um Jugendliche zu einer Ausbildung in den Grünen Berufen zu motivieren.

Die AgrOlympics können dabei eine Möglichkeit für Jugendliche sein, die noch auf der Suche nach einem zukunftsträchtigen, abwechslungsreichen und interessanten Beruf sind. Sie bieten einen guten Einblick in den Beruf des Landwirtes. 

Das Gespräch führte Maik Bresan.

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