Gender Mainstreaming im ländlichen Raum Sachsens

Der ländliche Raum Sachsens hat in den letzten zwei Jahrzehnten viele Veränderungen erfahren, wodurch sich auch neue Herausforderungen ergeben haben. Seit 2007 unterstützt der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) die Entwicklung des ländlichen Raums in Sachsens durch das Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007-2013 (EPLR) und wird vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) verwaltet.

Was ist Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming  ist ein abstrakter Begriff, der aus dem Englischen kommt und nicht eindeutig ins Deutsche übersetzt werden kann.

gender bezeichnet das soziale Geschlecht einer Person. Biologische Merkmale können klar definiert werden. Es gibt jedoch auch gesellschaftliche Zuschreibungen für jedes Geschlecht - "Frauen können schlecht einparken und Männer können nicht zuhören." Diese Art der Stereotypisierung gegenüber Personen ist gesellschaftlich geprägt. Die gute Nachricht, sie können dementsprechend auch verändert werden, die schlechte Nachricht, es ist ein langer Prozess, an dem alle mit beteiligt werden müssen. Es wird davon ausgegangen, dass durch diese Rollenzuschreibung und die Erwartungen des sozialen Umfeldes es im Lebensverlauf einer Person zu ungleichen Chancen kommen kann. Diese Ungleichheiten können durch entsprechende politische Maßnahmen aufgezeigt und beseitigt werden.

mainstreaming bezeichnet den Vorgang, dass bei allem was getan wird, ganz besonders bei Entscheidungsprozessen, berücksichtigt wird, welche Bedürfnisse Mädchen und Jungen, Mütter und Väter, Frauen und Männer, Seniorinnen und Senioren... haben und welche Wirkungen die Entscheidungen letztendlich auf die verschiedenen Personengruppen haben.

Gender Mainstreaming ist also eine Methode, die

  • die unterschiedlichen Ausgangslagen, Bedürfnisse und Interessen von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern, Seniorinnen und Senioren berücksichtigt,
  • gesellschaftliche Strukturen und Prozesse auf ihre geschlechtsspezifischen Konsequenzen hin untersucht,
  • die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass sie helfen, die Hemmnisse für Chancengleichheit in politischen Strukturen und Prozessen zu überwinden.
  • als Doppelstrategie zur Aufhebung von ungleichen Chancen zeitlich begrenzte Maßnahmen zur Förderung von Frauen oder Männern beinhaltet.

Für den Freistaat Sachsen wurde 2003 in der Broschüre "Gender Mainstreaming im Freistaat Sachsens" vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz folgende Definition hergeleitet:

Gender Mainstreaming beruht auf der Erkenntnis, dass Geschlechterhierarchien, die auf der Differenz der Geschlechter aufbauen, tief in die gesellschaftlichen Strukturen eingeschrieben sind. Um diese Strukturen zukunftsfähig zu gestalten ist es notwendig, direkte und indirekte Benachteiligungen von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen aufzuheben. Übertragen auf die Praxis politischen Handelns bedeutet das in jedem Politikbereich auf jeder Ebene die Planung, Durchführung und Evaluierung jedes Vorhabens und jeder Maßnahme dahingehend zu prüfen, wie Geschlechterverhältnisse im Sinne von Geschlechtergerechtigkeit verändert werden können.

Quelle:
Sächsisches Staatsministerium für Soziales (2003): Gender Mainstreaming im Freistaat Sachsen. Konzept zur Umsetzung von Gender Mainstreaming auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Bereichen. Dresden